sludern dot com

von Dominik Schmidt

Subscription Hell

Meine monatliche Kreditkartenabrechnung wird immer unübersichtlicher. Hier ein paar Euro, dort ein paar Euro, die monatlich, quartalsweise oder jährlich für Content, Apps, Newsletter, CarSharing und so weiter abgebucht werden. Selbst mein Kaffee kommt über ein Abonnement. Jeder dieser Dienste kostet kaum mehr als ein Latte Macchiato bei Starbucks (was auch gerne als Marketing-Argument benutzt wird), aber mittlerweile sind das eine ganze Menge Lattes im Monat. Sind wir in der Subscription Hell angekommen, in der Kunden keine Einmalzahlungen mehr machen und generell für so viele Dinge im Web zur Kasse gebeten werden, die früher einfach gratis waren?

Danny Crichton von Techcrunch sieht das so. In seinem kürzlich veröffentlichten Artikel schreibt er:

I’m frustrated that the web’s promise of instant and free access to the world’s information appears to be dying. I’m frustrated that subscription usually means just putting formerly free content behind a paywall. I’m frustrated that the price for subscriptions seems wildly high compared to the ad dollars that the fees substitute for.

Die Aussagen spiegeln ganz typische Vorbehalte von vielen Internetnutzern aktuell wider. Das behaupte ich jetzt mal. Und natürlich, in den letzten zwei Jahren hat sich viel verändert, plötzlich wird man im Netz an vielerlei Orten zur Kasse gebeten.

Einen großen Aufschrei hat es letztes Jahr gegeben, als die beliebte App Ulysses auf ein Abo-Modell umgestiegen ist. Adobe macht es mit der Creative Suite schon länger und bei Content ist es eine regelrechte Welle an Publishern, die Pay Walls hochziehen.

Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass sich drei “Geschäftsmodelle” immer mehr durchsetzen:

  1. Dienste, die mit unrealistisch niedrigen Gebühren Wachstum simulieren (Amazon Prime, MoviePass…).
  2. Dienste, die von Ads auf Subscription umsteigen (und meist als zu teuer wahrgenommen werden)
  3. Dienste, die immer noch das dirty Ad Business rocken möchten

Crichton schreibt weiter:

“We not only get paywalls where none existed before, but the prices of those subscriptions are always vastly more expensive than consumers ever wanted.Das hört sich wie ein bockiges Kind an. Sorry, aber das Web ist noch recht jung, eigentlich wird es gerade erwachsen. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Es wird nicht mehr als ein Kanal der Zweitverwertung angesehen. Der Nachteil: Es wird kommerziell, es muss finanzieren.
In den USA kostet ein Digitalabo für Zeitungen durchschnittlich 2,31$/Woche. In Deutschland dürfte es aber deutlich mehr sein.

In einem Punkt hat Crichton aber Recht. Die Geldbeutel der Nutzer sind begrenzt. Wenn immer mehr Dienste ihre monatlichen “Starbucks” abrechnen wollen, wird es eng. Haben wir früher uns bei allem registriert, was nicht bei Drei auf dem Baum war (kostet ja nichts), überlegen es sich die Nutzer heute gründlich. Man muss sich auf eine Zeitung beschränken, ein Streamingportal und vielleicht nur eine App für Notizen oder To-Do-Lists. Das ist letztlich aber nur ganz normaler Wettbewerb.

Das Web entwickelt sich von einer dunklen Gasse, in der man nie wusste, was hinter der nächsten Ecke lauert (meistens ein Ad) zu einem transparenteren Ort (was die Geschäftsmodelle betrifft) bei dem man bewusst Entscheidungen als Konsument treffen muss.

💬 Kommentar? Schreib mir.