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von Dominik Schmidt

Peak Smartphone

Mein iPhone meldet sich jetzt regelmäßig bei mir, um anzuzeigen, wie viel Zeit ich mit dem Gerät verbringe. Es wirkt wie eine Warnung. Meine Zigarettenschachtel macht das selbe oder der Beipackzettel beim Nasenspray. Das Gerät warnt vor sich selbst, Smartphone-Nutzung ist ein Laster geworden. Zerlegt sich das Smartphone als Produkt gerade selbst?

Mit dem Smartphone kam die Always-on-Gesellschaft. Vernetzt und erreichbar ist das Internet in alle Lebensbereiche vorgedrungen. Der Träger war und ist das Gerät in unserer Tasche.

Mensch und Maschine rücken immer näher zusammen.

Schaut man sich heute um, egal ob im Zug, einer Bar, einem Konzert, eine Party oder auf einer belebten Straße. Die Szene ist immer gleich: Menschen starren auf ihre kleinen, individuellen Screens. Selfies machen, Maps checken, Nachrichten schreiben — oder einfach gedankenverloren in Timelines scrollen. Es gab selten ein vergleichbares Massenphänomen (vielleicht die Erfindung des Buchdrucks oder des Fernsehens), die unsere Aktivitäten in wenigen Jahren komplett umgewälzt hat.

Das Smartphone steht im Zentrum dessen, weil es das erste Gerät ist, was Mobilität und Konnektivität massentauglich gemacht hat. Es hat uns smarter, informierter, populärer gemacht. Wir haben nie so viele Möglichkeiten gehabt. Eine aktuelle Studie der University of Derby kam zu dem Ergebnis, dass 13 Prozent von uns abhängig vom Smartphone sind und 3,6 Stunden täglich mit dem Gerät verbringen. Wir können mehr von überall erledigen und haben letztlich doch weniger Zeit für irgendwas. Apple und Google warnen uns jetzt — vor uns selbst.

Aber die kleinen Geräte in unserer Tasche haben sich selbst überlebt. Sie sind letztlich eine Krücke, die zwar unsere Gesellschaft grundlegend verändert hat, aber dieser Veränderung nicht mehr hinterherkommt. Ein kleiner Screen in einem kleinen Gerät mit begrenzter Akkuleistung kann nicht die optimale Lösung sein. Es ist nur ein erster Schritt zur Cyborgisierung der Menschen. Smartphones machen uns zu besser funktionierenden Individuen: Der Speicher im Gerät vergisst nichts, es hat Zugriff auf eine riesige Menge an Informationen, die wir im menschlichen Gehirn nie speichern könnten. Es ist fast ein verlängerter, technischer Bestandteil unseres Körpers geworden. Letztlich aber eben immer noch eine Krücke.

Der Mensch wird sich immer mehr mit künstlicher Intelligenz bestärken können, wir werden dafür aber keine kleinen Geräte mehr benötigen. Der menschliche Cyborg ist heute schon Realität, aber das Smartphone wird bald von der Entwicklung überholt werden.

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