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be weird, but clear.


Liebe Blogger — macht es euren Lesern leichter!

Blogs sind toll. Die Deutschen (und Briten) lieben ja ihre Vorgärten. Der Blog ist ein moderner Vorgarten. Er ist Aushängeschild und Spielwiese zugleich. Man braucht auch öfters mal etwas neues und ist ewig am Optimieren. So geht es zumindest mir. Nur gibt es einen Unterschied: Einen aufwendigen Vorgarten aufzubauen ist mit viel Arbeit verbunden. Ein komplexer Blog nicht. Gerade Wordpress macht es einem leicht. Nach der Installation ein fancy Theme installieren und die Widgets sind auch nur ein Klick entfernt. Das ist so, als könnte man sich einen Vorgarten im Paket kaufen. Inklusive Zierhecke, Kirschbaum, Teich, Springbrunnen, Sandkasten und Dekoleuchten. Ich bin froh, dass nicht alle Vorgärten so aussehen. Viele Blogs tun es leider.

Deswegen plädiere ich für eine neue Herangehensweise bei Blogs: Mit dem nötigsten Starten und auf die Leserwünsche hören. Geht eure Blogs durch und überlegt, was wirklich genutzt wird und was einfach nur Bandbreite, Platz und Übersicht verschlingt. Versteht mich nicht falsch. Es ist euer persönliches Blog (oder auch nicht) und es soll euren Geschmack und eure Persönlichkeit widerspiegeln. Macht es, wie es euch gefällt. Aber denkt daran: sobald ihr veröffentlicht, ladet ihr Leser auf eure Seite ein.

Ich wette, dass jeder in seinem Blog auf etwas verzichten kann. Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass ich weder Teaser noch den Volltext von meinen Artikeln auf der Startseite brauche. Das ist subjektiv, aber gerade für jemanden, der zum ersten Mal auf meinem Blog landet, bieten die Überschriften eine schnelle Übersicht über mein Themenspektrum. Ohne langes scrollen und klicken. Aber es gibt viel mehr, was weg kann. Vor allem in den Sidebars der Blogs dieser Welt. Ich liste mal die Möglichkeiten (!) auf. Damit meine ich nicht, dass das alles gelöscht werden sollte, die Funktionen können durchaus sinnvoll sein. Es geht einfach darum es zu hinterfragen:

  • Kommentarsystem (dazu später mehr)
  • Kategorien
  • Tags (und Tag-Clouds)
  • Chronologisches Archiv (inklusive Kalender-Widget… ooh yeah!)
  • Unterstützung für mehrere Autoren (inklusive Autorenprofile)
  • Top-Listen (beliebteste Artikel, neueste Kommentare…)
  • Link zum Backend (WP-Admin)
  • Suchfunktion (vielleicht reicht die Suche im Browser?)
  • Blogroll (ein klassischer Fall für die About-Seite. Haltet die Sidebar sauber oder löscht sie am besten).
  • Feed-Button (Feed natürlich, aber jeder der RSS/Atom zu benutzen weiß, braucht keinen Extra-Button. Ja, ich habe einen…)
  • Und natürlich: Twitter-Streams, Facebook-Box, Share-Buttons, Follow-Buttons und generell Buttons für irgendwas
  • Addons! Zwar nicht unbedingt sichtbar für die Leser, aber weniger Addons bedeutet erhöhte Sicherheit und oft auch mehr Datensparsamkeit. Kein persönliches Blog braucht detaillierte Statistiken oder gespeicherte IPs.

Ich gehe nicht auf jede Funktion genauer ein. Aber drei Sachen liegen mir am Herzen: Kommentare, Lesbarkeit und Share-Funktionen.

Brauche ich eine Kommentarfunktion?

Kommentare machen viele Blogs aus. Das kann positiv, aber auch negativ gemeint sein. Es ist auch eine persönliche Entscheidung, ob man öffentlich angeschrieben werden möchte. Je nach Thema kann das heikel oder unnötig sein. Der Betreiber muss sich auch um Kommentare kümmern. Moderieren, Antworten, Verantwortung tragen. Unter Wordpress hat man zusätzlich ein richtig nerviges Spam-Problem an der Backe.

Ich glaube bei persönlichen Blogs sind Kommentare generell unnötig. Deswegen habe ich mich auf meinem Blog auch dagegen entschieden. Mein Blog ist persönlich und die Kommunikation mit den Lesern soll es auch sein. Unter den Artikeln ist ein kleines Mail-Symbol. Klickt der Leser, wird direkt eine Mail mit dem entsprechenden Betreff geöffnet. So kann ich die Mail zuordnen und animiere vielleicht auch den ein oder anderen zu schreiben. Für mich ist ein Mail-Austausch eine persönlichere, angenehmere Kommunikation bei der keine ungewollte Dynamik oder Off-Topic-Debatten entstehen können.

Möchte sich jemand öffentlich zu meinem Geschreibsel äußern, kann er das ja auch gerne auf seinem Blog machen. Das würde ich begrüßen. Mein eigenes Haus halte ich aber lieber sauber.

Lesbarkeit ist das A&O

Das ist eine Bitte. Macht euren Lesern das Lesen leichter. Denn deswegen kommen sie auf eure Seite. Ich liste einfach mal einige Tipps auf:

  • Macht die Schrift größer. Moderne Wordpress-Themes machen das bereits viel besser, als es vor einigen Jahren noch der Fall war. Aber es ist Luft nach oben.
  • Achtet auf die Zeilenbreite. Eine Faustformel: Das Alphabet sollte zweimal in eine einzelne Zeile passen.
  • Zeilenabstand! Das macht einen großen Unterschied bei der Lesbarkeit. Hier ist die Faustformel, dass der Abstand zwischen den Zeilen ungefähr die halbe Höhe einer Zeile betragen sollte.
  • Schwarzer Text auf hellem Hintergrund.
  • Wenn Werbung auf der Seite platziert wird, dann nur außerhalb des Inhaltsbereiches.
  • Hyperlinks sollten klar als solche erkennbar sein. Am besten unterstrichen.

Share-Funktionen kommen direkt aus der Hölle (meistens)

Werft den ganzen Kram einfach raus. Ja, die Leser wollen sehr wahrscheinlich die Inhalte teilen. Aber dafür braucht man keine datenfressenden, eintönigen Share-Buttons. Da gibt es viel elegantere Lösungen und jeder der Facebook oder Twitter bedienen kann, der weiß auch wie man einen Link im Zweifel einfach kopiert und einfügt.

Ich habe mir dafür ein Feature von Quartz abgeschaut, die unter den Artikeln ein Textfeld mit der URL anbieten. Eigentlich unnötig (noch haben ja alle Browser eine Adressleiste), aber eben auch eine subtile Aufforderung zum Sharen. Und dabei hat der Nutzer alle Freiheiten. Er kann den Link in sein Mail-Programm, IM-Chat oder Soziales Netzwerk werfen. Da brauche ich nicht für jeden Dienst einen eigenen Button.

Zusammengefasst: Wenn Du im Web schreibst, mach Dir ein persönliches Zuhause, aber denke an die Leser. Im Mittelpunkt sollten immer deine sorgsam gewählten Worte stehen und nicht die Features von deinem CMS.