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von Dominik Schmidt

Die falsche Motivation für Produkte

Wieso denken wir nicht mehr an den Menschen, wenn wir digitale Produkte entwickeln? Wieso stehen oft Technologien, die Konkurrenz oder kurzfristige wirtschaftliche Interessen im Mittelpunkt? Eine zentrale Frage, die öfters und lauter gestellt werden muss. Lasst mich erklären, warum.

Ein Produkt zu entwickeln, dass dem Menschen wirklich bei einem Problem hilft, hat viele Aspekte. Vom Vertrieb über den Support, die Verpackung, Materialien und dem Design aller Touchpoints. Aber oft krankt es bereits beim ersten Schritt: dem Grund, der Motivation für das Produkt.

Auch im Jahr 1908 galt schon: Der Kunde ist König. Nennt man heute nur anders: user centered design.

Im aktuellen Spiegel (45/2018) ist ein kritischer Artikel über die Blockchain erschienen. Letztlich kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass es außer Bitcoins keine echte Anwendung der Technologie gibt. Gleichzeitig wird sie extrem gehyped und viele Unternehmen planen sie einzusetzen. Nur keiner weiß, wofür eigentlich? Denn geht man in die Details, hält die Blockchain im Vergleich zu herkömmlichen Datenbanklösungen meist nicht Stand. Sie ist komplizierter, langsamer und teurer. Der entscheidende Vorteil der Blockchain (man muss nur in die Mathematik des Systems vertrauen, keinen menschlichen Akteuren) spielt in der Realität meistens eine untergeordnete Rolle, bzw. ist kein wirkliches Problem bisher gewesen.

Ein gutes Beispiel für Fehlentwicklungen, die sicherlich Millionen an Investmentgeldern in die Tonne treten wird, weil der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Problemen nicht im Mittelpunkt steht.

🙅‍♂️ Schlechte Motivation für ein Produkt:

  • Technologie XY ist gerade der heiße Shit.
  • Konkurrent XY macht jetzt auch XY, der darf uns nicht die Butter vom Brot nehmen.
  • Wir haben noch Budget/müssen das Jahresziel pushen und sollten deswegen XY anbieten.
  • Wir haben hier noch eine Lücke im Sortiment, die sollten wir füllen. Vielleicht gibt es einen Bedarf!?

🙋‍♂️ Die richtige Motivation für 99 % der Fälle:

  • Unsere Nutzer haben uns in großer Zahl rückgemeldet, dass sie sich eine Lösung für XY wünschen.
  • Wir sehen ein Problem, dass wir für unsere Nutzer lösen müssen.

Es ist so erstaunlich, aber oft wird schlicht und einfach vergessen, für wen am Ende das Produkt existieren sein soll. Nämlich für den Nutzer, User, Kunden, Anwender, Mensch.

Manchmal bleibt das Thema Nutzerzentrierung etwas abstrakt. Nimmt man aber zum Beispiel den Zahnarzt wird die Relevanz deutlicher. Wer möchte einen Zahnarzt aufsuchen, der eine neue Laser-Technologie eingeführt hat, die eventuell noch nicht ausreichend erforscht ist? Zudem ist sie sehr teuer und die Resultate qualitativ nahe an der herkömmlichen Methode. Aber der Zahnarzt um die Ecke hat sich die Anschaffung auch gegönnt und wirbt großflächig mit der neuen Methode. Das Ergebnis der Entwicklung: Die Patienten zahlen mehr, ein nicht existierendes Bedürfnis soll erfüllt werden und sie gefährden eventuell ihre Gesundheit. Sie bekommen von einem Arzt also das Gegenteil seines Versprechens: Besserung.

Wer die Motivation richtig setzt und bei den folgenden Schritten diese nicht aus den Augen verliert, kann vielerorts davon profitieren. Produkte, die fokussiert für ein menschliches Bedürfnis entwickelt werden, haben diese Vorteile:

  • Bedienung und Vorteile ergeben sich instinktiv für die Nutzer
  • Marketing im Sinne von Werbung, Aktionen oder PR wird weniger nötig, bzw. wirkt viel besser
  • Ein positives Nutzungserlebnis (es hilft mir, es macht mein Leben besser) führt zu einer stärkeren und nachhaltigen Kundenbindung

Wenn man also merkt, dass eine Problemlösung nicht unbedingt die Blockchain, eine App oder irgendeine Form von AI benötigt, sondern man ein Nutzerbedürfnis auf direkterem, einfacheren Wege lösen kann, dann erspart man sich nicht nur viel Aufwand, sondern nachhaltige Kundenbeziehungen schaffen. Nur auf den Hype muss man dabei verzichten.

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