sludern dot com

von Dominik Schmidt

Das Web-Zeitalter der Ökosysteme

Geschützte Räume für wirtschaftliches Handeln zu schaffen ist so alt wie der Nationalstaat oder gar die Stammesbildung. Lange Zeit war das Internet eine Art elitäres Wild-West, das ändert sich nun mit der Monopolbildung von Facebook, Google, Amazon und Apple. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass ein geschlossenes System sich beim Kunden durchsetzen wird.

Als Google 1998 als einfache Suchmaschine startete, war es nicht mehr als ein Werkzeug fürs Web, das ein wenig Ordnung in das Chaos bringen sollte. Rein technisch gesehen hat das Internet keine Ordnung, wenn es auch vernetzt ist. Einen offiziellen Index sollte es nie geben. Mittlerweile ist Google eine Art offizieller Index. Wer auf Google nicht vertreten ist, existiert im Web nicht. So wurden Suchmaschinen das Portal zum Web und dienen als elementare Struktur.

Gleichzeitig mit dem rasanten Aufstieg Googles ging auch eine große Kommerzialisierung des Internets einher. Die Popularität hat zur Jahrtausendwende eine kritische Masse überschritten und war plötzlich für unterschiedlichste Geschäftsmodelle geeignet. Einige wurden extra auf das Internet zugeschnitten aus dem Boden gestampft (und verpufften in der Dot-Com-Blase), andere Unternehmen, die in der Offline-Welt längst etabliert waren, weiteten ihr Geschäftsmodell auf das Internet aus. Die Kommerzialisierung brachte zwei entscheidende Faktoren mit sich: Das Unternehmen muss die Kunden finden und die Kunden das Unternehmen.

Suchmaschinen waren dafür wenig geeignet, da sie keine Unternehmen bevorzugen und sich nicht manipulieren lassen. Google hatte dies auch früh erkannt und konnte mit den begleitenden Werbeanzeigen einen großen Erfolg feiern. Denn das Bedürfnis nach Präsenz war groß und die Konkurrenz wurde auch immer größer.

Als logischer nächster Schritt — eventuell die Endstufe der Kommerzialisierung — erleben wir zur Zeit den Trend der Ökosysteme. Eigentlich ein ökologischer Begriff, der einen räumlich begrenzten Lebensraum für Lebewesen beschreibt. Die Grundidee der Wissenschaft hinter diesem Begriff ist, dass man Wesen und Raum nicht getrennt voneinander untersuchen kann. Beide formen ein zusammengehöriges System. Auf das Internet übertragen sind das meist Kunden und Anbieter (Unternehmen). Ein Unternehmen, dass den Kunden kontrollieren, aber auch kennen möchte, muss den Raum, in dem die Leistung entgegen genommen wird, bestimmen.

So sind wir also vom Internet als Wilder Westen zum ökonomisch kontrollierten Raum gekommen. Und das innerhalb von zehn Jahren! Für den Kunden (oder User) ist das nicht per se eine schlechte Entwicklung. Amazon empfiehlt uns zielgenau Produkte, Facebook führt uns mit Freunden zusammen, Apple garantiert einen reibungslosen Betrieb von Soft- und Hardware und Google bietet Entwicklern eine Plattform und Zugang zu millionen Smartphone-Usern. Wer vor zwanzig Jahren noch einen Tante Emma-Laden ums Eck hatte und die Verkäufern schon beim Betreten des Ladens wusste, was man im Einkaufswagen haben will — da hat man es doch auch genossen.

Andererseits sieht sich auch niemand gerne als Kunde, der ausgeleuchtet und letztlich gemolken wird. Der beobachtet, kontrolliert und verfolgt wird. Alles eine Kosten-Nutzen-Rechnung.

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