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Es sind meine beiden Lieblingsthemen, wenn es um state of the art-Journalismus geht. Nicht, dass man die beiden ernsthaft vergleichen k├Ânnte, Newsletter sind eine ziemlich alte Technologie und Paid Content ist im mainstreamigen Medienbereich noch recht neu. Das eine ist ein Gesch├Ąftsmodell und das andere ein Format und technisches Medium. Auf den ersten Blick hat das eine mit dem anderen nicht viel zu tun, oder?

Viele der innovativen Publisher setzen prominent auf Newsletter ÔÇô in Kombination mit Paid Content. Die Hoffnung dahinter: Der Newsletter gilt als Einfallstor und anf├╝tternde Droge f├╝r die Inhalte hinter der Bezahlschranke. Newsletter schaffen eine Umgebung von Exklusivit├Ąt (nur Abonnenten bekommen die Inhalte zu sehen) und sprechen vor allem loyale Leser an. Genau diese braucht man bei einem Paid Content-Modell, denn der Gelegenheitsnutzer oder Social-Media-Trittbrettfahrer l├Ąsst sich selten f├╝r ein monatliches Abo ├╝berzeugen.

Und die Hoffnung ist nicht unbegr├╝ndet. Laut Mailchimp (und die sollten dazu akkurate Daten haben) liegt die durchschnittliche ├ľffnungsrate bei Newslettern von Medienunternehmen bei 22 Prozent. Das ist schon ordentlich. Die New York Times ist extrem erfolgreich mit ihren 50 verschiedenen Newsletter. Teilweise werden ├ľffnungsraten von 80 Prozent verzeichnet, der wohl popul├Ąrste Newsletter (das Morning Briefing) geht t├Ąglich raus und hat eine ├ľffnungsrate von 60+ Prozent. Das ist enorm. Die Zeitung z├Ąhlt mittlerweile 13 Millionen Newsletter-Abonnenten (2014 waren es noch 6 Millionen), also auch ganz klar auf Wachstumskurs.

Gut, das ist die good ol' Times k├Ânnte man jetzt sagen. Aber der noch recht junge Publisher Quartz kann ├Ąhnliche Zahlen pr├Ąsentieren. Anfang 2018 konnte man sich dort ├╝ber ├╝ber eine Verdoppelung der Abonnentenzahlen innerhalb eines Jahres freuen. Stolze 700.000 lesen den recht neuen Newsletter "Quartz Obsession", der jeden Tag ein bestimmtes Thema hintergr├╝ndig behandelt. Die ├ľffnungsrate: 73 Prozent, also auch weit ├╝ber dem 22 Prozent-Benchmark der Branche.

Aber was hat das jetzt genau mit Paid Content zu tun? Nun, deswegen:

According to the Times memo, that growth matters because newsletter subscribers are twice as likely as regular New York Times readers to become subscribers, the primary area of focus for the publisher. (They also read twice as many stories per month as the average Times reader.)

Und auch beim New Yorker hat man ├Ąhnliche Erkenntnisse gewonnen:

Cond├ę NastÔÇÖs data science team found that the best indication of whether a NewYorker.com reader would become a paying subscriber is if they were a newsletter subscriber.

Newsletter sind also ein gro├čer Taffic-Treiber (noch vor Twitter), die Monetarisierung steht noch am Anfang und er spricht vor allem loyale Nutzer an, die letztlich auch am ehesten gewillt sind f├╝r Inhalte zu bezahlen.

Sind Newsletter aber letzten Endes nur ein Trend? Zumindest kein kurzfristiger, w├╝rde ich sagen. Sie funktionieren sehr gut mobil, sie sind einfach zug├Ąnglich (ohne besondere H├╝rden) und sie befriedigen das Bed├╝rfnis nach Endlichkeit. H├Ârt sich komisch an, aber viele (ich auch) sch├Ątzen an Printprodukten, dass diese ein Ende haben. Stichwort News Cycle Fatigue ÔÇô und der Newsletter ist da ├Ąhnlich gestrickt und mir macht es jedes Mal Spa├č, einen Newsletter nach dem Lesen zu l├Âschen.

Wer jetzt Lust auf Newsletter bekommen hat, hier habe ich k├╝rzlich ein paar lesenswerte vorgestellt.

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Man mag es kaum glauben, aber in der ├╝berschaubaren schweizerischen Medienszene bewegt sich einiges. Ja, man kann ehrf├╝rchtig sagen, wir k├Ânnen dort ein bisschen publizistische Zukunft sehen. Seit Beginn des Jahres ist die Republik online, hier mein erstes Urteil.

Entstehung

Ganz am Anfang stand die Idee eines Crowdfundings f├╝r ein publizistisches Startup in der Schweiz. Ich habe irgendwann Anfang 2017 zum ersten Mal davon geh├Ârt und erw├Ąhnte das Projekt nach dem erfolgreichen Crowdfunding an dieser Stelle. Mein Interesse war sofort geweckt, weil Constantin Seibt einer der Gr├╝nder ist und ich seine Arbeit sehr sch├Ątze.^[Ich kann jedem nur sein Buch "Deadline" empfehlen. Eine Pflichtlekt├╝re f├╝r jeden, der schreibt.] So ging am 12. April ein Newsletter mit diesen Worten raus: "In diesen Minuten, Punkt 12 Uhr, rufen wir in Bern die Republik aus".

Es folgten viele weitere Newsletter, die ├╝brigens eindeutig die Handschrift von Seibt tragen: Keine Angst vor ultralangen Texten, f├╝r manche der Newsletter muss man sich 20-30 Minuten Zeit nehmen. PS, PPS und PPPS am Ende. Und die ganze Kommunikation ist an den Stil von Howard Luck Gossage angelehnt. Aber das nur am Rande, ich habe jedenfalls jeden Newsletter genossen.

Das Ziel von Republik ist nichts weniger als den Journalismus und damit die Demokratie zu retten. In dem Manifest hei├čt es:

Ohne Journalismus keine Demokratie. Und ohne Demokratie keine Freiheit. Wenn der Journalismus stirbt, stirbt auch die offene Gesellschaft, das freie Wort, der Wettbewerb der besten Argumente.

Etwas weniger abstrakt wurde das Ziel in einem der Newsletter zum Funding beschrieben:

Im Kern sehen wir uns als Dienstleistung f├╝r kluge Menschen in einer komplexen Welt. Sie leben ein vern├╝nftiges Leben: mit Job, Familie, Hobby. Sie haben nicht die Zeit, sich 24 Stunden am Tag um allen L├Ąrm der Welt zu k├╝mmern. Wir haben sie. Unser Job als ┬źRepublik┬╗-Redaktion werden die grossen Themen, Debatten, Fragen sein ÔÇô kurz: alles, was l├Ąrmig, verwickelt oder unklar ist.

Das h├Ârt sich dramatisch an, auch ├╝berzogen. Ein bisschen zu ideologisch vielleicht, aber lasst sie doch einfach mal probieren! Und es zeigt auch die Aufbruchsstimmung, den Wille im Team von Republik.

Und es gibt durchaus Gr├╝nde, warum eine neue schweizerische Publikation, die unabh├Ąngig von einem gro├čen Verlag oder Anzeigenerl├Âsen agieren kann, notwendig ist. Die Medienmacht von Christoph Blocher und seiner rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei (SVP) ist gro├č. Der Multi-Milliard├Ąr kauft sich ein Medienimperium zusammen mit dem viele nicht einverstanden sind. Das gesammelte Geld f├╝r die Republik ist sicherlich auch Geld, das weniger f├╝r das junge StartUp, sondern vor allem gegen das Blocher-Imperium investiert wurde (und f├╝r Seibt-Texte). Das ist wahrscheinlich die Erfolgsformel: Richtiges Timing (politisch und ├Âkonomisch), prominente Zugpferde und sehr gute PR.

Finanzierung

├ťber drei Millionen Euro wurden durch das Crowdfunding eingesp├╝lt (hier findet man noch die Seite im Web Archive). Im Vergleich: Krautreporter hat eine Anschubfinanzierung von 900.000 Euro per Crowdfunding bekommen und das gro├če Vorbild De Correspondent aus den Niederlanden sammelte zu Begin 1,7 Millionen Euro ein. Die Republik hatte bereits am ersten Tag des Fundings mehr als 1,7 Millionen gesammelt. Das bedeutet: Sie haben den Weltrekord im Crowdfunding f├╝r Medienprojekte gebrochen und das drittgr├Â├čte Crowdfunding in der Schweiz ├╝berhaupt durchgezogen. Respekt und Chapeau daf├╝r.

Hinter der Republik steht die gemeinn├╝tzige Genossenschaft Project R. Die Republik ist letztlich das erste Projekt der Genossenschaft und jeder Abonnent wird Mitglied. Oder bei einem Medienprojekt k├Ânnte man das Mitglied auch als Verleger beschreiben. Wir kennen ein ├Ąhnliches Konzept in Deutschland: die taz, mit einer Genossenschaft, die als Holding f├╝r den Verlag fungiert und 17.000 Mitgliedern z├Ąhlt.

Bei der Republik sieht der Bauplan etwas komplizierter aus. Man m├Âchte neben der gemeinn├╝tzigen Genossenschaft eine gewinnorientierte Aktiengesellschaft aufbauen. Letztere stellt das Magazin her, inklusive Redaktion, Vertrieb und Produktion. Eine Art "Mutter-Kind-Modell", wie es die Macher nennen. Das wirkt auf mich wie eine juristische Kopfgeburt. Allerdings scheint sie interessante M├Âglichkeiten der Macht- und Interessenverteilung zu erm├Âglichen. So werden die Abonnenten ├╝ber die Genossenschaft 40 Prozent der Aktien halten und damit den gr├Â├čten Block der Anteilseigner ausmachen.

Der Start und das damit verbundene Medienecho hat ├╝brigens direkt 2.000 neue Abonnenten angelockt. Die taz hat man damit mit etwa 17.700 Genossenschaftsmitgliedern ├╝berholt^[wobei die taz nat├╝rlich mehr Einnahmequellen wie Printverkauf und Anzeigen hat und nicht jeder Abonnent auch Genossenschaftsmitglied wird; De Correspondent verzeichnet aktuell 50.000 Abonnenten.] Bei ca. 200 CHF monatlicher j├Ąhrlicher (Korrektur vom 30.01.18) Abo-Kosten kommt man auf einen Umsatz von ├╝ber 3 Millionen Euro, dazu kommen noch etwa 3,5 Millionen Investorengelder.

Inhalte

Was die Republik bisher ver├Âffentlicht hat, sind ganz sicher keine Inhalte von der Stange. Der erste Artikel "Zuckerbergs Monster"^[Ich bin mir nicht sicher, ob Nicht-Abonenten die Artikel aufrufen k├Ânnen. Zumindest die ├╝ber Twitter geteilten Links sind frei verf├╝gbar.] von der jungen Journalistin Adrienne Fichter, die sich auf das Thema digitale Demokratie spezialisiert hat, legte in gewisser Weise die Messlatte. Ohne Frage, ein toller Text. Und er ist lang. Darauf folgten sogar noch l├Ąngere Artikel, wie der erste Text von Seibt (50.000 W├Ârter) mit dem wundersch├Ânen ersten Satz: "Warum Ihr Verstand oft nur der Pressesprecher f├╝r jemand Unbekannten gleichen Namens ist."

Seibt versteht es wie kein andere, den Leser bei der Stange zu halten und durch langen Content zu f├╝hren. Aber nicht jedem Leser gefiel es und oft wurde in den Kommentaren verzweifelt gefragt, wann man denn solch einen Artikel lesen sollte?! Am Fr├╝hst├╝ckstisch hat man eben nicht mal so eine Stunde Zeit f├╝r solch ein monstr├Âses St├╝ck. Kurz darauf folgte in den Kommentaren eine Entschuldigung von Seibt ÔÇô mit etwas Augenzwinkern:

Pardon. Die Pferde waren ein Jahr im Stall, dann sind sie ein wenig wild ├╝ber die Pr├Ąrie galoppiert. Es war ein wenig viel in meinem Kopf. Ich werde mich in Zukunft k├╝rzer halten.

Mir gef├Ąllt der Mut zur L├Ąnge. Das ist nat├╝rlich kein Qualit├Ątsmerkmal, aber dennoch erfrischend. Erfrischend sind auch die unterschiedlichen Stilrichtungen. Von ausf├╝hrlichen Reportagen (ein toller US-Roadtrip) ├╝ber Gerichtstexte und eine Kolumne von Sibylle Berg "Nerds retten die Welt!". I like. Bitte mehr davon.

Technik & Gestaltung

Journalismus ohne Bullshit wurde versprochen. Das gilt sicherlich nicht nur f├╝r die Inhalte, sondern auch f├╝r die Gestaltung. Es gibt keine Werbung, ein gr├Â├čeres Geschenk kann man einem Designer erstmal nicht machen. Entsprechend aufger├Ąumt kommt das Layout daher. Eindeutig mit einem mobile first-Ansatz^[Eine App soll in K├╝rze folgen. Ich sehe da aber ehrlich gesagt keinen Mehrwert. Wer in einer App sowieso nur die Website abbildet, kann sich die M├╝he auch sparen.] und konsequent vom Inhalt her gedacht.

Letztlich ist es der Mut Dinge einfach wegzulassen, der die Erscheinung bisher ausmacht. Ich hoffe, das ist nicht der fr├╝hen Entwicklungsphase geschuldet, sondern Teil des Konzepts und wird auch so bleiben. Der aktuelle PageSpeed liegt laut Google bei 99/100 Punkten (mobil). Im Vergleich: SpOn kommt auf 63/100.

Es gibt neben der reinen Gestaltung noch zwei weitere Gr├╝nde, warum die Seite so aufger├Ąumt wirkt:

  1. Es erscheinen maximal drei Artikel pro Tag ÔÇô bei elf Redakteuren ├╝brigens. Man hat also jeden Morgen bereits einen ├ťberblick und kann mit einer Stunde pro Tag so ziemlich alles lesen.
  2. Niemand muss auf der ├ťbersichtsseite mit irgendwelchen Tricks zum Klicken animiert werden. Die Leser bezahlen und sind bereits motiviert zu lesen. Clickbaiting ist bei solch einem Konzept schlicht nicht n├Âtig. Und das ist ÔÇô toll!

Fazit

Wenn der erste Hype sich gelegt hat, wird die Etablierungsphase f├╝r die Redaktion kommen. Leser m├╝ssen langfristig gebunden werden. Daf├╝r gibt es kein Erfolgsrezept, aber nach dem ersten Eindruck traue ich das den Machern zu. Sie haben mit der Inszenierung der Kampagne und des Launchs das richtige Gef├╝hl f├╝r die Bed├╝rfnisse der Leser bewiesen. Wenn Sie jetzt auch inhaltlich f├╝r Furore sorgen (investigative Stories fehlen bisher noch), dann k├Ânnten sie sogar ├╝ber die Schweiz hinaus den deutschsprachigen Lesermarkt aufmischen.

Die Republik hat gezeigt, dass journalistische Startups ÔÇô ganz ohne Altlasten ÔÇô funktionieren. Und das sollte uns alle optimistisch stimmen. Keine Werbung, keine Ablenkungen. Ein recht demokratisches Gesellschaftsmodell. Die Leser finanzieren die Redaktion nicht nur, sie geh├Ârt ihnen auch. So kann Journalismus seinen Ruf, den er in den letzten Jahren durch Clickbaiting und Fake News in den Sand gesetzt hat, wieder kurieren.

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Da ver├Âffentlicht die New York Times einen Artikel dar├╝ber, wie man sein iPhone auf eine Schwarz-Wei├č-Darstellung umstellt. Keine Pointe. Willkommen im Jahr 2018, in dem wir unsere Smartphones schlechter machen, damit wir weniger abh├Ąngig werden. Ein Jahr, in dem Facebook seinen Newsfeed wieder zu einem positiven Erlebnis f├╝r unsere Psyche machen m├Âchte, zwei gro├če Investoren einen offenen Brief an Apple schreiben, um mehr Engagement beim Schutz unserer Kinder vor Smartphone-Sucht zu fordern und Stimmen immer lauter werden, die vor der kompletten Monopolisierung und Kommerzialisierung des Webs warnen.

Ein heftiger Start in das neue Jahr f├╝r das Silicon Valley. Dabei war 2017 mit der (anhaltenden) #MeToo-Debatte bereits turbulent und hat viele Strukturen ersch├╝ttert. Der Hype, die Technologieverliebtheit und die gesellschaftliche Akzeptanz schwinden zunehmend. F├╝r Facebook und Google r├╝ckt das reine Wachstum in den Hintergrund. Das Pendel schwingt zur├╝ck.

Facebook warnt in Werbekampagne vor dem eigenen Produkt.

Die Jahre vorher waren eher gepr├Ągt von Datenschutzdebatten, den Snowden-Leaks und uns wurde zum ersten Mal richtig bewusst: Bei werbefinanzierten Diensten sind wir selbst das Produkt. Letztes Jahr und die aktuelle Debatte zeigen, dass die Kritik sich ausweitet: Wir haben nicht nur Angst um unsere Privatsph├Ąre, wir f├╝rchten um unsere Gesundheit.

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Begeisterung ernsthafter ├ťberforderung gewichen ist. Die Nutzer besinnen sich wieder mehr auf sich selbst, anstatt nur auf die Versuchungen und Verlockungen, die uns jeden Tag vor die Nase gesetzt werden. Kommunikation wird wieder pers├Ânlicher und weniger ├Âffentlich. Trump, Fl├╝chtlingskrise und eine immer lautere Welt, die mit Informationen auf uns einprasselt, ├╝berfordern uns.

Farhad Manjoo schreibt in seinem Artikel ItÔÇÖs Time for Apple to Build a Less Addictive iPhone, dass es einen Konzern gibt, der hier einen Wandel vollbringen k├Ânnte: Apple. Warum Apple?

Like air pollution or intrusive online advertising, tech addiction is a collective-action problem caused by misaligned incentives. Companies that make money from your attention ÔÇö that is, ad-supported apps like Facebook, Instagram, Snapchat and YouTube ÔÇö now employ armies of people who work with supercomputers to hook you ever more deeply into their services.

F├╝r Apple spielt es keine gro├če Rolle, ob du sechs oder nur eine Stunde am Tag mit deinem iPhone verbringst. Wichtig ist ein positives Nutzungserlebnis, damit du der Marke auch treu bleibst. Oder kurz gesagt: Apple m├Âchte nicht dein Verhalten ├Ąndern, sondern einfach m├Âglichst gute Produkte herstellen. Apple wird reagieren, hat der Konzern in den letzten Jahren sowieso einen Schwerpunkt auf das Thema Gesundheit gelegt. Wird es eine ernsthafte Reaktion sein oder nur PR? Wir werden sehen.

Ich bin gespannt, wie weit diese Debatte dieses Jahr noch eskalieren wird. Es scheint aber eine gesunde Regulierung von Technologie zu passieren, die letztlich dem technologischen Fortschritt helfen wird. Wie immer, wenn sich die anf├Ąngliche Begeisterung legt, fangen Nutzer an zu reflektieren und erst dann werden sich neue Technologien in unserer Gesellschaft langfristig etablieren k├Ânnen.

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Die Zeiten sind vorbei, als ich fast keinem Download-Link widerstehen konnte. Ich habe installiert, probiert, kaputtgemacht und wieder runtergeworfen. So lernt man, aber es kostet auch Zeit und mittlerweile versuche ich auf wenige Tools und Services zu setzen. Dahinter steckt der "weniger ist mehr-Gedanke", aber mittlerweile ist mir der Workflow auch wichtiger. Damit meine ich, dass ich ein Setup m├Âchte, das m├Âglichst gut zusammenarbeitet und wenig Pflegeaufwand erfordert.

Dazu ein paar Vorbemerkungen, die meine Auswahl grunds├Ątzlich beeinflussen.

It's an Apple world

Ich bin tief verwurzelt im Apple-├ľkosystem. Angefangen mit Windows (95, 98, ME, XP) habe ich mehrere Jahre auf Linux gesetzt (Debian, Ubuntu). Erinnert ihr euch noch an die gro├čartigen IBM Thinkpads? Diese in Kombination mit einem robusten Linux-System waren ein gro├čartiges Setup. Ich habe die Dinger geliebt (insbesondere die portable X-Serie). Und Linux war ein Bastelparadies.

Doch die freie Zeit zum Fixen und Probieren wurde weniger ÔÇô und vor allem kam das iPhone. Pl├Âtzlich war da ein neues Device, das neben dem Laptop einen weiteren Computer darstellte. Ab sofort war es f├╝r mich wichtig, dass diese zwei Ger├Ąte auch miteinander funktionieren und mein erster Mac (iMac mit Snow Leopard) kam ins Haus. Seitdem bin ich tief verwurzelt in iCloud, iTunes, iMessage usw. Die Symbiose aus Hard- und Software aus einer Hand ist bis heute ├╝berlegen. Und es ist unkompliziert: Setze ich Macbook oder iPhone neu auf, muss ich nur die iCloud anwerfen und wie von Geisterhand l├Ądt er Fotos, Notizen, Mails, Termine, Passw├Ârter, Lesezeichen, Files, Apps und Musik auf das Ger├Ąt. Eine komplette Neuinstallation (Clean Install) ist somit innerhalb von zwei Stunden m├Âglich. Fr├╝her war das gerne mal ein kompletter Tag Arbeit.

Analog siegt oft

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Ich versuche eigentlich so wenig Technik wie m├Âglich in meinem Alltag zuzulassen. Das ist paradox, besch├Ąftige ich mich doch beruflich jeden Tag mit Technik, blogge in der Freizeit dar├╝ber und w├╝rde mich als sehr technik-affin bezeichnen. Aber genau das ist der Punkt. Ich m├Âchte mich nicht ├╝berfrachten und wer sich intensiv mit einer Materie besch├Ąftigt, der ist genauso begeistert wie auch skeptisch.

xkcd ÔÇô Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.5 License.

An technischer Hardware zuhause besitze ich genau drei Dinge: Macbook Pro, iPhone 6s, AppleTV. Diese drei Ger├Ąte decken alle Use Cases ab, die f├╝r mich relevant sind. Konnektivit├Ąt mit dem iPhone, Arbeiten mit dem Macbook und entspannen mit dem AppleTV. Komplett analog sind hingegen: Zahnb├╝rste, Armbanduhr, Rasierer, Notizbuch. Okay, ich habe auch ein paar K├╝chenger├Ąte. Aber selbst da ist mir der Siebtr├Ąger lieber als ein Vollautomat. Nennt mich Purist, Hipster, konservativ oder was auch immer. Aber wenn ich sehe, was bei der CES f├╝r ein Ramsch auf den Markt geworfen wird, w├╝rde ich mir mehr Skepsis bei Journalisten und Verbrauchern w├╝nschen.

Anyway. Wie sieht also mein Setup aus?

Hardware & Software

Im Mittelpunkt steht mittlerweile das iPhone. Zumindest privat. Mein Laptop bleibt meistens in der Agentur, mein iPhone ist in erster Linie zur Kommunikation (iMessage, WhatsApp, Email und Telefonieren), aber auch f├╝r meine morgendliche Newsletter-Lekt├╝re. Ich schreibe ungern l├Ąngere Texte auf dem iPhone, Screen-Tastaturen und Ich wurden nie richtig warm miteinander. Ansonsten m├Âchte ich nicht mehr auf Apple Music und Podcasts verzichten, haupts├Ąchlich im Auto auf dem Weg zur Arbeit.

Mein aktueller Home Screen, iPhone 6s.

Meine meistbenutzten Apps sind eigentliche alle Stock-Apps. Ich nutze fast nie Drittsoftware, wenn sie nicht einen erheblichen Mehrwert bietet. Also: Kalender, Notes, Apple Mail, Wetter, Erinnerungen. Ziemlich langweilig, aber zuverl├Ąssig und immer bestens mit dem Macbook/AppleTV synchronisiert. Man sollte sich das Leben nicht unn├Âtig schwermachen. Die New York Times App ist ├╝brigens nur ein Link zur Website. In News Apps habe ich eigentlich noch nie einen Vorteil gesehen, au├čer dass sie nervige Notifications senden. Auch die Workout App ist ├╝brigens nur eine Web App. Simpel, ben├Âtigt keine Updates, was will man mehr.

Am interessantesten sind f├╝r mich Apps, die den mobilen Charakter eines Smartphones unterst├╝tzen. Ich m├Âchte keine Pendants zur Desktop-Version auf dem iPhone haben, weil in 99 % der F├Ąlle es sinnvoller ist, die App dann auch direkt auf dem Laptop/Desktop zu nutzen. Sinnvoll sind aber Apps, die mir helfen von A nach B zu kommen: Bahn Navigator (ich vermeide es allerdings mit der Deutschen Bahn zu fahren, leider ein Steinzeitunternehmen), MyTaxi und die VRS f├╝r den regionalen Verkehrsverbund in K├Âln. Sobald man mit dem Navigator aber auch Einzeltickets im Regionalverbund kaufen kann, fliegt die VRS App vom Handy.

Beruflich steht das Macbook im Mittelpunkt. Eigentlich ein perfektes Ger├Ąt: Retina Screen, angenehme Tastatur und das beste Trackpad auf dem Markt. Ich habe nie verstanden, warum Windows Laptops kein gescheites Trackpad hinbekommen. Aber vielleicht hat sich das mittlerweile auch gebessert. Auf Zubeh├Âr zum Macbook verzichte ich v├Âllig. Kein externer Screen, keine Maus, keine Tastatur. Mein Motto ist small screen productivity und ein Laptop ist nunmal ein portables Ger├Ąt. F├╝r mich macht es keinen Sinn, wenn ich erst f├╝nf Stecker rausziehen muss, wenn ich vom Schreibtisch aufs Sofa wechsel.

An Software setze ich analog zum iPhone auf die vorinstallierten Apple-Produkte. Ansonsten ist iA Writer das Schreibwerkzeug meiner Wahl. Ein (sehr guter) Font, iCloud-Synchronisation, Markdown, sehr gutes File Management und PDF/Word-Export. Mehr brauche ich nicht. Zur H├Âlle mit Word.

iA Writer: Was braucht man mehr?

Generell bin ich kein Fan von Microsoft Office, deswegen darf auf der Liste auch meine Powerpoint-Alternative Deckset nicht fehlen. Ich konzentriere mich gerne auf den Inhalt und mag Software, die mir nicht zu viel Spielraum beim Rumspielen mit der Optik erlaubt. Mit Deckset lassen sich Pr├Ąsentationen mit Markdown bauen. Keine Pixel-Schubserei, einfach W├Ârter und Grafiken reinwerfen, um den Rest braucht man sich nicht zu k├╝mmern. Auch hier ist der Workflow ├╝brigens entscheidend. Ich kann die Pr├Ąsentation mit iA Writer schreiben, Deckset ├╝bernimmt automatisch und in Echtzeit die Konvertierung in ein sch├Ânes Template. Ein tolles Produkt aus einer deutschen Software-Schmiede!

(Software as a) Service

Neben meinen Nachrichten-Abos (Ny Times und Spiegel Print, die gelten aber wohl eher als Content as a Service) darf nat├╝rlich Ghost nicht fehlen. Ich habe k├╝rzlich dar├╝ber geschrieben, warum ich mich f├╝r Ghost als Blog Service entschieden habe. Auch hier steht der Markdown Support im Vordergrund. iA Writer ist meine zentrale Anlaufstelle f├╝r Content: Dort liegen Blog Posts (die in Ghost kopiert werden), Pr├Ąsentationen (die von Deckset gebaut werden) und eigentlich alle Texte, die ich beruflich wie privat verfasse.

Der Domain Registrar meiner Wahl ist ├╝brigens I Want My Name. Ich mag einfach Anbieter, die sich auf eine Sache konzentrieren und diese simpel und professionell umsetzen. Die ├╝blichen Hosting-Anbieter haben furchtbare Websites aus dem letzten Jahrtausend und ein un├╝berblickbares Angebot an Tarifen und Diensten. Mache eine Sache, aber mache sie richtig.

Google spielt bei mir eigentlich keine Rolle, au├čer die obligatorische Google Suche. Meine Mails, Kalender und Kontakte laufen, wie gesagt, ├╝ber iCloud. Im Job muss ich leider Office 365 nutzen, mehr schlecht als recht. Trello ist noch ein Dienst, den ich gerne auf Projektbasis einsetze. F├╝r mich ist die Kartenansicht die Essenz von einfacher Organisation. Visuell, simpel und f├╝r jeden verst├Ąndlich.

Dienste, die mir am Herzen liegen, die ich aktuell aber nicht ben├Âtige: Dropbox (nach wie vor die beste, einfachste File-Synchronisation), Fastmail (der wohl beste Mail-Anbieter), Basecamp (tolles, durchdachtes Produkt und ein inspirierendes Unternehmen).

Soweit meine ├ťbersicht. Ziemlich wenige Tools f├╝r einen Tech-Nerd. Aber so funktioniert es f├╝r mich (aktuell) am besten. Keep it simple, stupid ┬»_(Ńâä)_/┬».

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Facebook besinnt sich wieder auf seine Wurzeln. Das ist die klare Message, die Zuckerberg diese Woche verbreitet hat:

We're making a major change to how we build Facebook. I'm changing the goal I give our product teams from focusing on helping you find relevant content to helping you have more meaningful social interactions. [...] Now, I want to be clear: by making these changes, I expect the time people spend on Facebook and some measures of engagement will go down. But I also expect the time you do spend on Facebook will be more valuable.

Die Aussagen sind zwar schwammig und niemand wei├č aktuell genau, welche Auswirkungen wir auf den Newsfeed sehen werden, aber es ist h├Âchste Zeit, dass FB hier einen Kursschwenk macht. Auch ist die Aussage nicht ├╝berraschend. Bereits 2015 hat man angek├╝ndigt, dass Content von Freunden und Familie h├Âher gewichtet wird, als Content von Facebook Pages. Im letzten Jahr betonte Zuckerberg das Thema Community Building. Die Entwicklung ist bereits seit l├Ąngerem abzusehen, aber gef├╝hlt eskaliert sie aktuell.

Zuerst: Die Erfolgsfaktoren

Zuerst ist es beeindruckend, dass ein Konzern dieser Gr├Â├če und sein CEO weiterhin mutig handeln und gro├če ├änderungen nicht scheuen. Facebook ist aus drei Gr├╝nden gro├č und gr├Â├čer geworden:

  1. Es wurde zum richtigen Zeitpunkt gegr├╝ndet. Es konnte synchron mit der Verbreitung des Internets wachsen und hat eines der gr├Â├čten Vorteile des Netzes von Anfang an nutzen k├Ânnen: Die Vernetzung von Menschen, die Selbstdarstellung und das Teilen. Seit der Gr├╝ndung Facebooks 2004 hat sich die Zahl der Internetnutzer ungef├Ąhr vervierfacht und liegt aktuell bei drei Milliarden. Facebook hat etwa zwei Milliarden (monthly active) User.
  1. Die Entwicklung ist nie stehen geblieben. Facebook hat sich als Appstore, Gaming-Plattform, News-Plattform, Video-Plattform, Forum, Chat und vieles weiteres versucht. Man hat einfach getestet, probiert, verworfen und den Schwerpunkt wieder verlagert. Immer auf der Suche den heiligen Gral der Verweildauer (und damit verbunden der Anzeigenerl├Âse) zu maximieren. Mit der Einf├╝hrung des Newsfeeds (2006) dachte man, dass Facebook das Internet mit einer Art Weltfeed ├╝bernehmen wird. Das war falsch gedacht ÔÇô und jetzt passt man eben wieder an.
  2. Facebook hat seine Markt- und Kapitalmacht geschickt f├╝r Zuk├Ąufe genutzt. Sowohl beim Kauf von Instagram als auch WhatsApp haben viele Experten bei den extremen Kaufsummen den Kopf gesch├╝ttelt. Mittlerweile sind die Plattformen wesentliche Standbeine des Konzerns und eine wichtige Absicherung.

Quelle: techcrunch.com.

Es ist kaputt, also back to the roots

Jedes Produkt hat eine eigene DNA. Diese entsteht bei der urspr├╝nglichen Konzeption und Entwicklung. Es beinhaltet den Zeitgeist und die Pers├Ânlichkeit des Gr├╝nders. Facebooks DNA ist der Wunsch mit Kommilitonen an der Uni in Kontakt zu kommen. Zu sehen, wer gerade was macht, zu flirten und Partys zu organisieren. Transparenz, Austausch und pers├Ânliche Kontakte stehen im Mittelpunkt. Davon hat sich das Netzwerk weit entfernt, ich w├╝rde es fast mit Gr├Â├čenwahn beschreiben: Man wollte eine allumfassende Quelle f├╝r Kontakte, Berufliches, Nachrichten, PR und dem Weltgeschehen an sich werden.

Und wer alles will, wird nichts (ein Schicksal, das ├╝brigens auch f├╝r Amazon eine Bedrohung darstellt). Facebook f├╝hlt sich an, wie eine Art unkontrollierbarer RSS-Feed, der auf einen eindonnert, w├Ąhrend man in einer Spielothek zwischen lauter Slot Machines sitzt. Mit sinnlosen Algorithmen, Growth- und Fakenews-Hackern, Werbung, Trolls und Content, den man ├╝berall im Netz auch findet.

Das scheint Zuckerberg sp├Ątestens jetzt begriffen zu haben, so schreibt er im aktuellen Statement:

At its best, Facebook has always been about personal connections.

Die urspr├╝ngliche DNA steckt weiterhin im Produkt und sollte wieder als Kern herausgearbeitet werden. M├Âgliche Ma├čnahmen daf├╝r:

  • Verdr├Ąngen von Unternehmen auf Facebook
  • Mehr gesch├╝tzte R├Ąume/Privatsph├Ąre f├╝r pers├Ânlichen Austausch schaffen
  • Weniger Masse-zu-Masse-Kommunikation, mehr individuelle Kommunikation f├Ârdern
  • Potentielle Reichweite limitieren. Kommunikation muss wieder im kleinen Kreis stattfinden. Ein wichtiger Punkt, um gegen Schmutz-Kampagnen und Fake-News vorzugehen
  • Sich nicht mehr als Nachrichtenquelle positionieren
  • Weniger die Werbetreibenden als Kunden sehen, sondern die Bed├╝rfnisse der User in den Vordergrund stellen

Facebook muss es wieder schaffen, als etwas Positives und N├╝tzliches von seinen Usern anerkannt zu werden. Darunter wird das Wachstum leiden, die Alternative aber ist, dass Facebook als toxische M├╝llhalde des Internets in die Geschichte eingeht.

Und die Medien?

Die schauen erstmal in die R├Âhre, m├╝ssen sie doch erhebliche Verluste bei der Reichweite einb├╝├čen. Wie viel genau, wei├č man nicht, aber es gibt Vermutungen um die 30,40 Prozent.

F├╝r Medien bedeutet das einmal mehr: Schaut nicht auf die Reichweite, baut eine Marke auf, der die Leser vertrauen und folgen. Weniger Push, mehr Pull. Wenn ihr kein eigenes Publikum (im Sinne von Lesern, die euch bewusst und gezielt konsumieren) habt, dann habt ihr auch keine Leser.


Zuletzt noch eine Leseempfehlung zu dem Thema. Roger McNamee, ein fr├╝her Investor von Facebook und Berater Zuckerbergs beschreibt die problematische Entwicklung Facebooks. Der US-Wahlkampf 2016 war f├╝r ihn das erste gro├če Alarmzeichen, das Facebook ein gewaltiges Problem hat: "I didnÔÇÖt know what was going on, but I worried that Facebook was being used in ways that the founders did not intend."