sludern dot com

By Dominik Schmidt

Auf der Suche nach einem simplen Blog mit Markdown

Ich gebe es zu, ich gehöre zu denjenigen, die mehr Zeit in die Auswahl und das Setup des Blogs stecken, anstatt einfach mehr zu schreiben. In den letzten Wochen habe ich über zehn Dienste ausprobiert. Manche intensiv, bei manchen haben mir die Infos auf der Website gereicht, um sie von meiner Liste zu streichen.

Ziel war es wieder regelmäßiger zu schreiben und ein eigenes Zuhause abseits der Social Networks zu haben. Und überhaupt, diese Tools sind elementar für das Internet. Zumindest, wenn man an die demokratische Wirkung von Blogs glaubt.

Letztlich war die engere Auswahl verblüffend klein, dabei waren nur fünf Kriterien für mich wesentlich:

  1. Unterstützung von Markdown. Alles andere passt einfach nicht in meinen Workflow.
  2. Möglichkeit seine eigene Domain zu nutzen. Diese Flexibilität möchte ich mir nicht nehmen lassen.
  3. auf das Wesentliche konzentriert (ich will einen Blog und keine umfassende Webseite betreiben)
  4. Pflege und Administration sollten möglichst wenig aufwendig sein
  5. Es wird aktiv entwickelt und verspricht auch in mehreren Jahren noch gepflegt zu werden

Mir war also relativ egal, ob es self-hosted oder nicht ist und auch ob es kostenlos ist[1]. Außerdem habe ich nicht vor, allzu viel am Layout/Design zu werkeln.

Was also ist der heiße Scheiß 2017 an Blogging Plattformen? Für mich lässt sich das auf folgende drei[2] herunterbrechen:

1. Blot.im – Powered by the mighty Dropbox

Es gibt keinen einfacheren Workflow um Inhalte auf den Blog zu bekommen. Textdatei in die Dropbox werfen. Fertig.

Die Idee ist nicht neu, es gab (!) mit Calepin und Scriptogram bereits einige Plattformen, die auf Dropbox-Publishing setzten, aber keiner hat es so elegant und intuitiv umgesetzt wie David Merfield mit Blot.im.

Es ist die Liebe zum Detail, die Blot.im zu einem wirklich hochwertigen Produkt macht. Schaut euch einfach das folgende Video an und ihr versteht, was ich meine:

Pro: Unglaublich stressfreie Art einen Blog zu betreiben. Technisch hervorragend umgesetzt.

Kontra: Wer Dropbox nicht sowieso nutzt, muss sich extra registrieren und Software installieren. Leider sind die meisten Themes bei Blot nicht responsive. One-Man-Show.

Kosten: 20 Dollar/Jahr.

WebseiteBeispiel/Demo

2. Ghost – Elegant & fokussiert

Ghost startete vor drei Jahren mit einer erfolgreichen Kampagne auf Kickstarter. Seitdem verfolge ich die Entwicklung von dem Non-Profit-Projekt. Angetreten ist Ghost (beziehungsweise dessen Initiator John O'Nolan) mit der Prämisse, eine schlanke und moderne Version von Wordpress zu schaffen. Wordpress ist das Betriebssystem des Internets geworden, Ghost soll eher eine scharfe Klinge für Blogging (und nur Blogging) sein.

Dabei gab es in den letzten Jahren auch einige Holpersteine. Generell scheint die Entwicklung nicht so schnell machbar zu sein, wie man gehofft hat. So hat man mittlerweile das hübsche Dashboard, das in der Kampagne noch prominent angekündigt wurde, aufgegeben. Auch musste man mittlerweile zwei kräftige Preiserhöhungen für die gehostete Version Ghost Pro ankündigen[3]. Generell ist Ghost aber natürlich offen und jeder kann es kostenfrei selbst herunterladen und installieren.

ghost-desktop-2000x

Letzteres ist aber nicht so einfach, wie zum Beispiel bei Wordpress. Der Webspace muss Node.js unterstützen, was meist bei einfachem Shared Webspace nicht der Fall ist. Einige wenige Webhoster bieten zwar One-Click-Installs (Tsohost, A Small Orange), von denen würde ich aber die Finger lassen. Wer den Mehraufwand eines Virtual Servers nicht scheut, ist bei Digital Ocean gut aufgehoben. Ansonsten gibt es eigentlich nur eine gescheite Lösung: Uberspace[4].

Dennoch ein faszinierendes Projekt, das sehr fähige Leute vereint und ein sympathisches gemeinnütziges Finanzierungsmodell verfolgt. Man scheint sich auch mehr und mehr als Tool für professionelle Publisher zu positionieren. Siehe zum Beispiel die Aktion "Ghost for Journalism". Ich denke da werden auch bald Subscription-Features u.ä. kommen. Man darf gespannt sein.

Pro: Grandioses Two-Panal-Interface zum Verfassen von Markdown-Texten. Aktive Entwicklung und vielseitige Auswahl an fertigen Themes.

Kontra: Schwierig anständige Webhoster zu finden und Ghost Pro ist hochpreisig. Keine Kommentarfunktion und (noch) keine Addons/Plugins möglich.

Kosten: 19 Dollar/Monat mit Support oder als Open-Source frei verfügbar.

WebseiteBeispiel/Demo

3. Textpattern – Alte Schule, die Spaß macht

Okay, einige werden sich über diesen Kandidaten wundern. Eher ein Blogsystem, das vor zehn Jahren der heiße Scheiß war? Damals ein vielversprechender Wordpress-Konkurrent?! Alles richtig. Aber noch heute ist es aktiv in Entwicklung, hat eine kleine aber feine Community und bietet alles wesentliche für das schnelle Starten eines Blogs. Und dabei ist es so leichtgewichtig, wie kein anderes System. Das Backend ist so befreiend, weil wenig überladen, dass man die teilweise etwas in die Jahre gekommene Optik gut verkraften kann.

index-device-screens

Ich bin und war immer ein Fan von Textpattern und freue mich, dass es noch lebt. Wichtiger Hinweis: Standardmäßig setzt Textpattern auf Textile und eben nicht Markdown. Markdown lässt sich aber sehr einfach nachrüsten.

Pro: Stable as shit. Sehr leichtgewichtig (1,2MB!) und einfach zu handhaben.

Kontra: Wer viele Fotos und Grafiken in seinen Artikeln einsetzt, wird mit deren Verwaltung nicht viel Spaß haben. Langsame Entwicklung und entsprechend wenig Updates (was auch ein Vorteil sein kann).

Kosten: Frei verfügbar als Open-Source. Läuft bei praktischem jedem Webhoster, der PHP und MySQL unterstützt.

WebseiteBeispiel/Demo

4. Erwähnenswert: Posthaven, Medium, Svbtle, Kirby, Jekyll

Folgende Kandidaten möchte ich nicht unerwähnt lassen. Sie haben mich aber aus unterschiedlichen Gründen nicht angesprochen. Hier eine kurze Erklärung:

  • Posthaven ist wunderbar reduziert und hat sludern dot com zwei Jahre lang zuverlässig befeuert. Es bietet alles, was man für einen Blog benötigt: Kommentarfunktion, Archiv, Feed, Email Subscription, Suche. Das Problem: Der Editor ist oldschool WYSIWYG und auf diese Querelen mit der Formatierung habe ich einfach keine Lust mehr.

  • Medium muss ich wohl nicht weiter vorstellen. Zumindest als Leser sind die meisten mit der Plattform vertraut. Allerdings ist es eben eine Publisher-Plattform. Kein persönliches Zuhause im World Wide Netz. Eher ein Twitter für Longform Content.

  • Svbtle (Gott, den Namen muss ich jedes Mal nachschlagen) ist vergleichbar mit Posthaven. Es bietet fast keine Möglichkeiten für Custom Designs, punktet aber mit dem aufgeräumten Backend und Markdown-Support. Irgendwie bin ich dennoch nie damit warmgeworden ¯_(ツ)_/¯.

  • Kirby ist die einzige hier aufgeführte Lösung, die aus Deutschland kommt. Bastian Allgeier leitet das Projekt und hat ein hervorragendes CMS entwickelt. Es ist aber eben eher ein CMS und nicht von Grund auf für den Einsatz als Blog gemacht.

  • Jekyll ist eine statische Blog Software. Für mich persönlich ist damit zu viel Gefrickel verbunden. Wirklich positiv überrascht war ich allerdings von der großen Auswahl an vorgefertigten Themes. Da steckt eine wirklich starke Community dahinter.

Fazit

Wer bereits neugierig in den Quellcode dieser Seite geblickt hat, wird bereits wissen, dass ich mich für Ghost entschieden habe. Der Editor bietet einfach ein hervorragendes Schreiberlebnis und ich schreibe sonst bei keinem CMS direkt im Editor. Zusätzlich finde ich die Idee einer Non-Profit-Organisation hinter einer Blog-Software sehr sympathisch. Blogs haben das Internet demokratisiert und sollten entsprechend auch frei und für jeden verfügbar sein. Da verkrafte ich auch die 19 Dollar/Monat. Für mich ist das zur Hälfte für Hosting und die andere Hälfte sehe ich als Unterstützung für die Non-Profit-Organisation hinter Ghost

Es ist natürlich nicht alles golden bei Ghost. Ich hadere noch damit keine Kommentarfunktion zu haben. Drittanbieter a la Disqus kommen für mich nicht in Frage. Self hosted Kommentare würden auch wieder zusätzliche Administration bedeuten. Mal schauen.

Ghost ist eines dieser Produkte, deren Überzeugungskraft nicht in Feature-Listen. Im direkten Vergleich zu Wordpress hätte Ghost keine Chance (und die meisten anderen System auch nicht). Aber bei Ghost entsteht der Vorteil aus dem Nutzererlebnis. Dem aufgeräumten Backend, der Schnelligkeit und Ästhetik.

Ich überlege, ob ich Ghost oder einen anderen Kandidaten mal detaillierter vorstellen sollte. Falls ihr Interesse oder Vorschläge habt, gebt Bescheid!


  1. Wobei mich hier kostenlose Dienste eher abschrecken, ich setzte mir aber ein Limit von 20 Dollar/Monat. ↩︎

  2. Holy Moly. Kein Wordpress? Wordpress ist unglaublich flexibel und bietet unendlich Möglichkeiten. Aber siehe Punkt 3 bei meinen Kriterien. ↩︎

  3. Gestartet wurde Ghost Pro mit dem günstigsten Tarif von 5 Dollar/Monat. Dann ging es rauf auf 8 und erst kürzlich auf 19 Dollar/Monat. Immerhin eine Preissteigerung von knapp 200 Prozent, ohne dass sich die Leistung wesentlich geändert hat. ↩︎

  4. Uberspace bietet umfangreichen Zugriff per SSH auf den Webspace, gleichzeitig muss man aber nicht einen kompletten Server pflegen. ↩︎